
Die Menopause ist kein gesellschaftliches Randthema. Sie betrifft Frauen genau in der Lebensphase, in der viele ihre größte berufliche Verantwortung tragen. Dennoch wird sie im Berufsalltag oft noch als privates Thema behandelt, obwohl ihre Auswirkungen längst wissenschaftlich belegt sind. Trotz vieler gut gemeinter Initiativen passiert einfach nicht ausreichend und auch nicht schnell genug.
Dabei sprechen die Zahlen eine klare Sprache: Rund 85 Prozent der Frauen erleben mindestens ein menopausales Symptom, bei etwa 25 bis 30 Prozent sind die Beschwerden so ausgeprägt, dass sie Gesundheit, Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit spürbar beeinträchtigen. Das geht aus dem aktuellen Briefing des Europäischen Parlaments von September 2026 hervor. (1)
Neben dem aktuellen EPRS-Briefing liefert insbesondere die von den Healthcare Frauen e.V. initiierte Studie „Wechseljahre und Leadership: Impact und Support am Arbeitsplatz für Führungskräfte“ von 2025 wichtige Evidenz für Deutschland. (2) Sie gilt als erste deutsche empirische Studie, die gezielt die Auswirkungen der Wechseljahre auf Führungskräfte und Frauen im Berufsleben untersucht und damit eine bislang bestehende Forschungslücke im deutschen Kontext schließt. Beide Quellen kommen zum gleichen Kernbefund: Wechseljahresbeschwerden betreffen die überwiegende Mehrheit der Frauen, und ein relevanter Anteil erlebt erhebliche Einschränkungen im Alltag und Beruf.
Die Folgen reichen weit über Hitzewallungen hinaus. Konzentrationsstörungen, Schlafprobleme, Erschöpfung, Gedächtnisprobleme oder Stimmungsschwankungen können die berufliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinflussen. In einer Befragung aus Großbritannien berichteten 67 Prozent der betroffenen Frauen, dass sich ihre Symptome negativ auf ihre Arbeit auswirken. Mehr als die Hälfte gab an, zumindest zeitweise aufgrund der Beschwerden nicht arbeitsfähig gewesen zu sein. (3)
Die Menopause fällt häufig mit einer Phase zusammen, in der wichtige Karrierestationen erreicht werden. Internationale Studien zeigen, dass fehlende Unterstützung im Arbeitsumfeld dazu beitragen kann, dass Frauen ihre Arbeitszeit reduzieren, auf Entwicklungschancen verzichten oder sogar einen Arbeitsplatz verlassen. (4)
Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, große Teile der Workforce zu vernachlässigen und abzuschreiben. Dies gilt im Übrigen auch und besonders für Frauen im Gesundheitswesen. Die wissenschaftliche Evidenz liegt vor. Die Herausforderung besteht heute nicht mehr darin, neues Wissen zu generieren, sondern vorhandene Erkenntnisse konsequent in Versorgung, Arbeitswelt und Gesundheitspolitik zu übersetzen. (1, 5)
Der Welt-Menopausetag sollte daher nicht nur Anlass für Aufklärung sein, sondern auch für konkrete Maßnahmen: bessere Fortbildung von Gesundheitsfachkräften, niedrigschwellige Beratungsangebote, evidenzbasierte Informationen für Patientinnen und ein Arbeitsumfeld, das offen mit den Herausforderungen der Menopause umgeht. Flexible Arbeitsmodelle, mehr Aufklärung und eine entstigmatisierte Gesprächskultur können einen entscheidenden Unterschied machen.
Wer die Gesundheit von Frauen in der Lebensmitte stärkt, stärkt zugleich die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft und unseres Gesundheitswesens. Denn die Menopause ist eine Führungs-, Versorgungs- und Zukunftsfrage. Und es ist kein nationales Problem.
Autorin: Martina Dörmann
Quellen
(1) Europäisches Parlament, EPRS-Briefing, September 2026: https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2026/791507/EPRS_BRI(2026)791507_EN.pdf
(2) Healthcare Frauen e.V., Wechseljahre und Leadership, 2025: [Link fehlt noch]
(3) CIPD, Menopause in the workplace, 2023: https://www.cipd.org/en/knowledge/reports/menopause-workplace-experiences
(4) EMAS, Menopause in the workplace: https://emas-online.org/menopause-in-the-workplace/
(5) EMAS, Global consensus recommendations on menopause in the workplace, 2021: https://www.emas-online.org/wp-content/uploads/2021/07/Global-consensus-recommendations-on-menopause-in-the-workplace.pdf