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Gendersensible Medizin: Das Lipödem eine chronische Erkrankung
Im Mittelpunkt eines Parlamentarisches Frühstück am 25. Juni unter Schirmherrin Emmi Zeulner, CDU/CSU, Bundestagsabgeordnete, Mitglied im Gesundheitsausschusses stand das Thema Versorgung von Lipödem-Patientinnen. Initiiert und organisiert wurde die gute besuchte Veranstaltung von Conny Wanke und Nicole Lauscher, um auf die Erkrankung und die aktuelle Versorgungslage aufmerksam zu machen.

Hintergrund: Das Lipödem ist eine chronisch progrediente Erkrankung des subkutanen Fettgewebes, die nahezu ausschließlich Frauen betrifft und durch eine symmetrische disproportionale Fettgewebsvermehrung der Extremitäten gekennzeichnet ist. Zu den Leitsymptomen zählen Druckschmerzhaftigkeit, spontane Schmerzen, Schweregefühl sowie eine ausgeprägte Einschränkung der Lebensqualität und Beweglichkeit. 


Auf Grundlage der ersten Auswertungen der LipLeg‑Studie, die noch unter Gesundheitsminister Jens Spahn in Auftrag gegeben wurde, wird deutlich, dass das Lipödem sich zu einer zunehmend bedeutsamen Volkskrankheit entwickelt. Dennoch bleiben die in Leitlinie und G‑BA‑Beschluss vorgesehenen Therapien vielen Betroffenen weiterhin verwehrt - ein Versorgungsdefizit, das dringend adressiert werden muss.
Meist mangelt es an der Einleitung und Aufklärung durch der HausHausärzt: innen, die weiterhin entweder aus Unkenntnis der Erkrankung und des Leidensdruckes der Patientinnen oder Angst vor Regressen weder die leitliniengerechte manuelle Lymphdrainage noch die Verordnung von Kompressionsstrümpfen anwenden. Bei der Lipödemtherapie geht es nicht allein darum, die konservativen Basismaßnahmen zu erfüllen, bevor eine Liposuktion zur Entfernung des entzündlich veränderten Fettgewebes erfolgen kann. Vielmehr handelt es sich beim Lipödem um eine chronische Erkrankung, die auch nach eineretwaigen Operation weiter behandelt werden muss. Die genetische Veranlagung, an den typischen Prädilektionsstellen erneut pathologisches Fettgewebe auszubilden, bleibt ein Leben lang bestehen. Das schmerzhafte Gewebe beeinträchtigt die Bewegung, die körperliche Aktivität und häufig auch die soziale sowie berufliche Teilhabe. Der gut gemeinte Ratschlag „nimm doch einfach mal ab“ greift hier nicht: Selbst, wenn Patientinnen durch Nahrungsverzicht Gewicht verlierengeschieht dies überwiegend im Bereich des Rumpfes – nicht an den Extremitäten. Auch dies ist ein charakteristisches Merkmal des Lipödems.  Es gibt also im Bereich „Lipödem“ viel aufzuarbeiten, das Parlamentarische Frühstück war ein erster Teil davon, diesen Patientinnen Sichtbarkeit zu verschaffen und die Erkrankung endlich als chronisch anzuerkennen.  Zudem müssen Hausärzt: innen geschult werden. Und nicht zuletzt müssen für das das Krankheitsbild Lipödem als typisches Beispiel einer geschlechtersensiblen Erkrankung Krankheitsbild Forschungsarbeiten gefördert werden. Die Aufnahme in den Ausbildungskatalog für Medizinstudent: innen im Sinne der notwendigen Vermittlung von Kenntnissen von geschlechtersensibler Medizin wären schlussfolgernd eine logische Konsequenz.
 
Autorin: Dr. med. Meike Finkenrath (Colektoriert Ulrike Serbent)